Der Rennradtreff Augsburg ist in den vergangenen Jahren zu etwas ganz Besonderem geworden. Was 2017 mit einer kleinen Gruppe begann, ist heute eine lebendige Community mit über 1.000 aktiven Fahrerinnen und Fahrern. Wir sind inzwischen eine der größten freien Radsport-Communitys in Deutschland, mit regelmäßigen Ausfahrten, eigenen Events, eigenem Trikot und einer Reichweite, die weit über Augsburg hinaus reicht.

Dieser Erfolg erfüllt mich persönlich mit großem Stolz, bringt aber auch immer größere Herausforderungen mit sich. Denn das, was wir gemeinsam aufgebaut haben, basiert bisher auf einem fragilen Fundament: einer Mischung aus Website, WhatsApp-Gruppen, Spenden, Sponsoren und sehr viel persönlichem Einsatz im Hintergrund. Ich kümmere mich unentgeltlich um die Organisation unserer Rides, um Events wie den Seilerberg-Hillclimb, um Trainingslager und Ausfahrten ins Allgäu, um die Buchhaltung, die Akquise von Sponsoren und Spenden, die Pflege der Website und nicht zuletzt um die Kommunikation in mehreren WhatsApp-Gruppen. Wenn dabei Einnahmen die Ausgaben nicht decken, dann trage ich dieses Risiko aus meinem eigenen Geldbeutel.

Das alles hat funktioniert, aber es ist weder nachhaltig noch zukunftssicher. Mit unserer Größe wird es zunehmend schwieriger, alle Mitglieder zu erreichen, Anmeldungen sauber zu dokumentieren oder rechtliche Themen wie Haftung und Datenschutz zu regeln. WhatsApp-Gruppen sind bei mehr als 1.000 Menschen einfach unübersichtlich und stoßen technisch an ihre Grenzen. Spendenakquise und Sponsorenpflege kosten viel Zeit und Energie, die ich eigentlich lieber in die gemeinsame Weiterentwicklung unserer Community investieren würde.

Nach einem ersten Beta-Test und vielen Gesprächen über die geplante Weiterentwicklung der cyql-App haben wir uns daher entschieden, über einen grundlegenden Wechsel nachzudenken. Ab dem 01.01.2026 soll der Rennradtreff Augsburg vollständig in cyql organisiert werden. Diese Entscheidung orientiert sich am Vorbild anderer Radsport-Communitys und ist ein Schritt, der uns nicht nur organisatorisch entlasten, sondern auch neue Möglichkeiten eröffnen wird.

Was sich ändern soll

Der wichtigste Punkt ist: Alles wird zentralisiert. Cyql wird das neue Zuhause für unsere Community. Alle Rides werden künftig ausschließlich dort angelegt, kommuniziert und gebucht. Statt Website, WhatsApp, Newsletter-Tool, Wetter-App, Komoot und Strava haben wir dann eine einzige Plattform, die alles bündelt. Mitglieder können sich dort registrieren, ihre Gruppenzugehörigkeit wählen, GPX-Tracks herunterladen und sehen, wer sonst noch mitfährt. Neue Mitglieder müssen nicht mehr umständlich über verschiedene Kanäle integriert werden, sondern melden sich direkt in der App an, akzeptieren beim Eintritt die Clubregeln, den Haftungsausschluss und die Datenschutzhinweise. Das schafft nicht nur Klarheit, sondern auch Rechtssicherheit – für die Organisatoren wie für euch.

Die Kommunikation wird ebenfalls übersichtlicher. An die Stelle von WhatsApp-Broadcasts tritt ein Bereich für Club-News, in dem die wichtigsten Informationen veröffentlicht werden. Diskussionen und Austausch laufen geordnet im Forum, das verschiedene Themenbereiche abbilden kann – von „dies & das“ bis hin zu konkreten Event-Fragen. Wer etwas sucht oder anbieten möchte, sei es eine Mitfahrgelegenheit zu einem Brevet oder ein Rad zum Verkauf, kann das künftig über den integrierten Marktplatz tun. Damit entfällt das bisherige Wirrwarr aus verschiedenen Gruppen, Nachrichtenketten und Links.

So erscheint beispielsweise nicht alle drei Wochen die Frage: Wo gehe ich denn zum Bike-Fitting? Man findet diesen Beitrag quick & easy in neuer Struktur!

Free oder Pro – zwei Wege, ein Club

Mit dem Wechsel zu cyql wollen wir gleichzeitig ein neues Finanzierungskonzept einführen, das die Organisation des Rennradtreffs auf stabilere Beine stellt. Bislang tragen wir die Kosten durch Spenden und Sponsoren, was zwar funktioniert, aber eben sehr viel Aufwand bedeutet und keine langfristige Sicherheit gibt. Künftig soll es zwei Mitgliedschaftsmodelle geben: eine kostenfreie Basis-Version und eine Pro-Version mit zusätzlichen Leistungen.

Die Basis-Version bleibt für alle offen. Wer gelegentlich mitfahren möchte, muss auch in Zukunft nichts zahlen. Free-Members können sich zu Free-Rides anmelden, erhalten den GPX-Track für das Event, an dem sie teilnehmen, und können die Club-News lesen sowie eingeschränkt im Forum mitlesen. Sie sehen auch, welche Vorteile die Pro-Mitglieder haben – können diese aber nicht nutzen.

Die Pro-Version richtet sich an die Vielnutzer und aktiven Fahrerinnen und Fahrer. Pro-Members haben Zugang zu allen Rides, auch zu speziellen Pro-Rides. Sie erhalten eine digitale Member-Card als Statussymbol und Legitimation für Benefits. Sie können auf die gesamte GPX-Bibliothek zugreifen, an Clubwertungen und Challenges teilnehmen, sehen ihre Namen und Bilder in Teilnehmerlisten und Leaderboards und profitieren von exklusiven Vorteilen bei Partnern – vom Espresso-Deal nach der Ausfahrt über Rabatte bei Bikefitting und Service bis hin zu Pre-Booking-Rechten bei Club-Events wie dem Trainingslager auf Mallorca.

Was kostet Pro?

Das Preismodell ist noch nicht endgültig festgelegt. Wir orientieren uns aber an zwei Richtwerten: am durchschnittlichen Vereinsbeitrag in Deutschland, der bei rund 84 bis 96 Euro pro Jahr liegt, und an der Strava-Pro-Lizenz, die derzeit 75 Euro pro Jahr kostet. Der Rennradtreff soll damit in einer Größenordnung bleiben, die für alle fair und nachvollziehbar ist. Wichtig ist: Schon mit rund 50 bis 100 Pro-Members könnten wir die aktuellen Fixkosten des Clubs vollständig decken. Alles, was darüber hinausgeht, fließt in die Finanzierung von Benefits, Events und zusätzlichen Leistungen zurück in die Community, natürlich zuerst an die, die auch Pro-Members sind. Wie sowas aussehen könnte, seht Ihr beispielsweise bei https://www.molokocycling.com/membership oder bei https://shop.raceveloclub.cc/products/rvc_membership

Der Fahrplan

Die Umstellung erfolgt in mehreren Schritten. In den kommenden drei Monaten (September bis November 2025) laden wir alle Mitglieder aktiv ein, sich bei cyql zu registrieren. Der Umzug erfolgt zunächst in die kostenfreie Basis-Version. Parallel dazu bereiten wir die Pro-Features vor, bauen Partnerschaften mit lokalen und überregionalen Partnern auf und definieren die Benefits. Ab dem 1. Januar 2026 werden dann sämtliche Rides ausschließlich über cyql organisiert. In der ersten Phase bleibt jeder zunächst in der Basis-Version, ein Upgrade in die Pro-Version ist ab dem Zeitpunkt möglich, an dem die Features final stehen und freigeschaltet sind.

Die WhatsApp-Gruppen werden im Dezember 2025 auf „read-only“ gestellt, sodass dort nur noch die Links und Hinweise auf die neuen Kanäle gepostet werden. Spätestens mit dem Jahreswechsel läuft die gesamte Kommunikation, Planung und Organisation dann über cyql.

Mein Fazit

Der Rennradtreff Augsburg bleibt das, was er immer war: eine offene und freie Community, in der jede und jeder mitfahren kann. Wer nur gelegentlich dabei ist, hat auch weiterhin kostenfreien Zugang. Wer intensiver fährt, öfter mitmacht und die zusätzlichen Vorteile nutzen möchte, hat die Möglichkeit, über die Pro-Version mehr zu bekommen – und gleichzeitig einen Beitrag dazu zu leisten, dass der Rennradtreff auch in Zukunft stabil und unabhängig bleibt.

Für mich persönlich bedeutet die Umstellung eine enorme Entlastung. Viele von euch wissen, wie viel Zeit und Energie in die Organisation fließt – jede Woche vier bis fünf Stunden nur für Administration. Mit cyql spare ich diese Zeit ein und kann sie dort investieren, wo sie wirklich hingehört: in bessere Rides, spannende Events und eine starke Gemeinschaft.

Der Rennradtreff erhält damit eine klare digitale Heimat, die uns als Community zusammenhält, die Organisation transparent macht und die Finanzierung auf solide Beine stellt. Ich bin überzeugt: Dieser Schritt ist notwendig, um das, was wir aufgebaut haben, auch in Zukunft erfolgreich weiterzuführen.

Lasst uns diesen Weg gemeinsam gehen. Ich lade euch ein, eure Fragen, Ideen und Bedenken einzubringen. Gemeinsam können wir sicherstellen, dass der Rennradtreff für alle das bleibt, was er ist – und gleichzeitig noch besser wird.

Euer
Martin